Frack - König der Herrenkleidung

Aktualisiert: 13. Nov.

Der Frack steht an der Spitze der Herrenkleidung. Heute meinte man mit Frack den gesamten "Frack-Anzug", doch ursprünglich wurde damit eine taillenkurze Jacke mit den typischen Schößen - dem Schwalbenschwanz - genannt.


Bei großen gesellschaftlichen Ereignissen Frack immer noch das passendste Kleidungsstück. Auf den großen traditionsbällen Bällen in Wien ist er noch oft zu sehen. auf dem Opernball und dem Ball der Philharmoniker ist er neben der Uniform noch heute die einzige zulässige Garderobe.



Member of the Marlborough Club (Wikimedia Commons)
Ein Gentleman im Frack (1885)

Die Herkunft des Fracks


Der Ursprung liegt im englischen Frock, der ein Kleidungsstück der Handwerker war. In den 1730er Jahre begannen junge Adelige ebenfalls, diesen Frock zu tragen, vor allem um sich vom "französischen" Justaucorps, der damals üblichen Hauptoberbekleidung, abzuheben. Der Frock bestand aus Wolle und war vorne von der Brust abwärts schräg verlaufend nach hinten geschnitten. Zum Reiten wurde er aber auf Höhe der Taille horizontal nach hinten geschnitten, wodurch der riding-coat entstand.


Ab 1750 gelangte der Frock und der riding-coat nach Frankreich, wo der Frock zum frac wurde. Sie wurden in Frankreich immer beliebter, bis sie Ende des 18. Jahrhunderts das Straßenbild dominierten.


Zwischen dem Wiener Kongreß und der Revolution von 1848 blieb der Frack das wesentlichste Kleidungsstück. Erst ab 1850 wurde der Frack mehr und mehr eine Kleidung für festliche Anlässe am Abend. In den 1920er Jahren trat der Smoking als Alternative zur Abendkleidung hinzu.





Dresscode - White tie


Der Frack wird heutzutage überwiegend das Teil eines Anzuges zu besonders festlichen Anlässen ab 18 Uhr getragen. Man bezeichnet den Frack als "Großer Gesellschaftsanzug" Im Dresscode genau hießt es white tie oder anders genannt cravate blanche. Dieser Dresscode ist sehr streng und lässt der Person, die ihn trägt, nur wenig Spielraum für Individualität übrig.

Fred Astaire in white tie (Wikimedia Commons)
Fred Astaire in white tie (1933)

Frack


Ein Frack muss schwarz und einreihig sein und besteht aus der Jacke mit knielangen "Schwalbenschwänzen, die vorn taillenkurz ist und offen getragen wird. Die spitzen Revers sind mit glänzendem Seitensatin geschmückt. Die Schließ- und Ärmelknöpfe sind ebenfalls mit Satin bezogen.


Frack-Hose


Die Frackhose hat nie Umschläge und keine Bundfalten. Die schwarze Frackhose hat an der äußeren Seitennaht doppelte Galons, also zwei parallel verlaufende Seitenstreifen. Da man unter der Frackweste keinen Gürtel tragen kann, wird die Hose von Hosenträgern gehalten.


Wichtig: Durch Gallons unterscheidet sich die Frackhose von der Smoking-Hose. Die Smoking-Hose hat nur einen Galon.


Frack-Hemd


Das Frackhemd hat eine gefältelte oder mit Baumwollpiqué besetzte Brust, einen Klappkragen (Vatermörder) und einfache Manschetten, die aber mit Manschettenknöpfen geschlossen werden.


Frackweste in 1899 (Wikimedia commons)
Frack mit Frackweste

Frack-Weste


Über dem Hemd wird eine weiße Frackweste getragen, die aus Baumwollpiqué ist und sie hat ein Revers und kann nach Schnitt einreihig oder zweireihig sein und wird mit weißen Perlmuttknöpfen oder mit piquébezugenen Knöpfen geschlossen. Die Weste wird hinten mit einem schmalen Taillenriemen gehalten. Dazu wird eine weiße Schleife getragen. Weste und Schleife bestehen ebenfalls aus Baumvoll-Piqué. Hemd, Weste und Schleife werden zusammen oft als Frackset bezeichnet.


Wichtig: Bei einem Begräbnis wird eine schwarze Weste getragen, die Kellner tragen eine schwarze Fliege, um sie von den Gästen zu unterscheiden.





Hosenträger


Die Hosenträger zum Frack sind weiß und die Schlaufen der Abendhosenträger werden aus Seide geflochten.


Wichtig: Die Hosenträger zum Smoking sind schwarz.


Zylinder-Hut


Zum Frack wird oft ein schwarzer Zylinder oder die Klappvariante Chapeau Claque getragen.

Gentleman mit Zylinder-Hut (Wikimedia Commons)
Zylinder-Hut

Accessoires


Optionale Accessoires sind ein weißer Seidenschal und weiße Glacöhandschuhe. Die Handschuhe müssen nicht bei jedem White-tie-Anlass getragen werden. Bei einem Ball können sie ohne weiteres weggelassen werden.


Erlaubt ist eine Frackuhr mit Kette. Besonderes Accessoire ist ein Frackstock, der mit schwarzem Klavierlack lackiert ist und einen verchromten Knauf hat.


Der festlichste Herrenanzug tagsüber (bis 18 Uhr) ist der Cutaway, auch als "Frack des Tages" bezeichnet. Ab 18 Uhr kann der Frack getragen werden.





Literaturverzeichnis


Crompton, Simon: Die guten Dinge maßgeschneidert. München 2016.


Feyerabend F.V, Ghosh F.: Shapes and Style of Fashion. Formen und Stile der Mode. 3. Auflage, München 2011.


Gilewska, Teresa: Schnittkonstruktion in der Mode. Herrenkleidung. Zuschneiden und zusammennähen. München 2014.


Hopkins, John: Menswear/Herrenmode. Berlin 2011.


Roetzel, Bernhard: Gentleman Look Book. Postdam 2017.


Roetzel, Bernhard: Der Gentleman. Das Standardwerk der klassischen Herrenmode. Rheinbreitbach 2019.


Sprenger, Ruth: Die hohe Kunst der Herrenkleidermacher. Wien 1960.


Starlay, Katharina: Der Stilcoach für Männer. Erfolgreich unterwegs in Job und Freizeit. 2. Auflage, Frankfurt am Main 2017.


Schüch-Schamburek, Irmie: Dresscode Man. Der Style Guide für den perfekten Auftritt. Wien 2010.


Bilder


Wikimedia Commons



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